Geothermie Bernried/Seeshaupt
Mittwoch, den 04. August 2010 um 00:00 Uhr
Geothermieprojekt Bernried, 15.07.2010, Aktualisierung vom 28.08.2010
Unfassbar, aber wahr, Mitten in Wiesbaden stößt man nach nur 100 Meter Bohrtiefe auf eine Wasserblase mit der Folge, dass 6.000 Liter pro Minute unkontrolliert austreten. Lesen und sehen Sie hierzu mehr unter:
http://www.welt.de/vermischtes/article5103142/6000-Liter-Wasser-pro-Minute-fluten-Wiesbaden.html#
und hier der aktuelle Stand in Seeshaupt zu dem Thema Geothermie, Bernried:
http://www.alternative-energiequellen.info/alternative_db/wordpress/?cat=29
Am Donnerstag, 1. Juli 2010, fand in Seeshaupt eine Informationsveranstaltung zum Geothermie Projekt in Bernried statt. Dieser Termin fand in Anwesenheit sowohl der Firma BE Geothermal GmbH (www.begeothermal.com) als auch der BürgerInitiative Schutz Westufer Starnbergersee e.V. (www.alternative-energiequellen.info) mit anschließender Diskussion unter der Leitung von Herrn Ammon, Gemeinderat Seeshaupt, statt.
ERKLÄRUNG:
Bei der Geothermie handelt es sich um einen der Hoffnungsträger zur umweltfreundlichen Energieversorgung. Allerdings soll 2012 bzw. 2015 diese Art der alternativen Energiegewinnung nicht mehr durch das EEG (Energiegewinnungsgesetz) gefördert werden.Zur Gewinnung dieser Art von Energie wird Erdwärme (warmes Wasser was man dort unten möglicherweise findet bzw. vorher nach unten gepresstes Wasser, was sich durch die Erdwärme erwärmt) aus der Erdkruste gepumpt.
Es gibt bisher kein vergleichbares Geothermieprojekt.
Bei Bernried wird das größte Geothermiekraftwerk Mitteleuropas geplant.
Tiefe Geothermiekraftwerke sind unrentabel und einige lösten Beben aus.
Die Kraftwerke selber verbrauchen mehr als 50% der erzeugten Energie für den Betrieb der Anlage. Und auch die Anschlüsse für Fernwärme sind deutlich teurer für Hauseigentümer als die für Gas.
In Deutschland kommen ca. 21% der Energie aus regenerativen Quellen. Die Geothermie spielt dabei eine untergeordnete Rolle, denn ca. 12% kommen aus Wind, ca. 5% aus Wasser und ca.3% aus Photovoltaik. Diese gut 20% der regenerativen Energie werden mit erprobten, preiswerter werdenden Techniken, die im „Kleinen“ Anwendung finden erzeugt mit deutlich geringeren Risiken und Eingriffen in die Natur.
PROJEKTTRÄGER und INVESTORIn Bernried wird das Geothermie-Projekt von einem privaten Investor, der BE Geothermal GmbH, deren Geschäftsführer Herr Lutz K. Stahl und Mrs Anne Heigl sind, betrieben. Gesellschafter dieser Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit einem Gesellschaftskapital in Höhe von € 125.000,00 € sind die Bernried Erdwärme GmbH mit einem Anteil i.H.v.45.000,--€, Anne Heigl 5.000,--€ und der Fond „Macquarie Investments 1 Ltd.“ in Höhe von 75.000,--€.
Finanziert werden soll das Großprojekt durch den Fond der australischen Macquarie Bank „Macquerie Invested 1 Ltd.“. Macquarie ist spezialisiert auf Infrastruktur Fonds und finanziert damit von Straßen bis Flughäfen viele Projekte. Bernried steht seit 2009 auf der Projektliste. Das Wall Street Journal schrieb 2007, dass die Bank ihre versprochenen Dividenden nicht durch die Profite oder durch den cash flow der Projekte finanzieren könne (The Wall Street Journal, 4. Juni 2007).
Die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen ist ausschließlich durch die hohe staatliche Förderung der Erdwärme gegeben. Die staatliche Förderquote ist die höchste in der Welt gemäß Analyse der Hotrock Ltd. (10. September 2008), einer von der Beteiligung zurückgetretenen australischen Gesellschaft. Hotrock widerrief die Beteiligung am Bernrieder Projekt am 29.09.2009 nach weiteren Prüfungen.
Für die BE Geothermal GmbH bzw. Herrn Stahl ist dieses Erdwärmeprojekt das erste.
Die Vorerkundung des Gebietes für eine eventuelle Erdwärmegewinnung wurde bereits durchgeführt (Dr. Wassermann, Sektion Geophysik an der LMU München) und begutachtet. Zwischen 4200 und 5000 Metern Tiefe liege für geothermische Nutzung ausreichend heißes Wasser.
PLANUNG:
Geplant sind 4 Bohrungen in eine Tiefe von ca. 5000 Metern im Landschaftsschutzgebiet von Bernried, um dort Wasser aus einer bereits seismisch erkundeten Schicht in der tieferen Erdkruste mit einer Temperatur von vermuteten 110 – 150 Grad C zu entnehmen. Für jede Bohrung ist etwa ein halbes Jahr Bohrtätigkeit angesetzt.
Das Wasser im Erdinneren erreicht diese hohen Temperaturen durch in der Erdkruste gespeicherte Wärme und durch den Zerfall von radioaktiven Isotopen. Diese Wärme ist also nicht ausschließlich regenerativ, sondern wird vergleichbar mit Erz abgebaut. Bei - wie geplant - starker Entnahme ist die Dauer der Nutzung ungewiss, weil es Jahre dauern kann bis sich das kältere zurückgepresste Wasser wieder erwärmt hat.
Deshalb wird in unserer Voralpenregion von einer Nutzungsdauer des geplanten Bernrieder Projektes von ca. 20 bis 30 Jahren ausgegangen, sofern überhaupt nennenswerte Wassermengen vorgefunden werden.
Das heiße Wasser soll durch Pumpen gefördert werden und nach der Nutzung der Wärme, dass heißt Kühlung auf ca. 60 Grad C, wieder in eine Tiefe zwischen 4000 und 5000 Metern zurückgepresst/verpresst zu werden.
Sowohl bei den jeweils ein halbes Jahr (d.h. für 2 Vorlauf- und 2 Rücklauf-Pumpen 2 Jahre insgesamte Bohrtätigkeit) dauernden Bohrungen, als auch von den Wasser fördernden und zurückpressenden Pumpen gehen Erschütterungen aus, die sich im Boden fortsetzen und Beeinträchtigungen in der näheren und auch weiteren Umgebung auslösen können.
Die Investoren haben das beabsichtigte Gelände von einem Gutsbesitzer bereits gekauft.
PROBLEME:
Das Projekt steht unter Zeitdruck vonseiten der Umweltpolitik (EEG), da diese Erdwärme in Kürze nicht mehr als zukunftsweisende Energie aufgrund unwägbarer Risiken und hoher Kosten ansieht und damit die bisher hohen Zuschüsse reduziert.
Das Bernrieder Projekt ist für etwaige Erdwärme-Kunden wie Klinik, Hotels, Museum und einigen anderen Anwohnern in Bernried auf Grund weiter Wege weniger geeignet. Bewohner aus Zeismering sind wahrscheinlich nicht mehr rentabel zu erreichen. Daher soll vor allem Strom erzeugt werden.
Für Förderung und Rückführung des Tiefenwassers sorgen Pumpen.
Die niederfrequenten Geräusche, die die Pumpen von der tieferen Erdkruste bis zur Oberfläche erzeugen, werden insbesondere nachts über weite Kilometer wie das Brummen eines Hornissenschwarms oder Kühlschranks hörbar sein (Akustikanalyse in diesem Bereich fehlt für dieses ein-/erstmalige Großprojekt). Dieser Lärm ist bereits von wesentlich weniger umfangreichen Blockheizkraftwerken bekannt.
Es werden Lüfter (Ventilatoren) zur Kühlung des Sekundärkreislaufs (des geförderten Wassers) oberirdisch gebraucht. Ca. 90% der Abwärme aus dem Stromerzeugungsprozess können nicht genutzt werden, sondern gelangen in die Atmosphäre.
In Bernried sind derzeit 66 Ventilatoren geplant. Diese Ventilatoren erzeugen oberirdisch rund um die Uhr Lärm. Durch die Distanz der Kraftwerksanlage zur nächsten Wohnbebauung soll dort die Lärmbelästigung unterhalb des 40 Dezibel-Bereichs bleiben, also „verkraftbar“ sein.
Ferner entsteht bei Störungen und Wartungsarbeiten eine Dampfwolke, die weithin sichtbar ist. Touristen werden sich fragen, wo denn das „Atomkraftwerk“ hier steht …Da die geplante Anlage wohl nur zur Stromgewinnung gebaut werden soll, ergibt sich die Rentabilitäts- und Verkaufsfrage. Die Anlage hat angeblich einen Wirkungsgrad von ca. 10% bis ca. 15%. Von der produzierten Energie wird ein Teil für den Betrieb der Anlage (Pumpen, Ventilatoren etc.) selbst gebraucht werden.
Mit Bohrungen in eine Tiefe von 5000 Metern gibt es bisher kaum Erfahrungen (bisher nur Kontinentales Tiefenbohrprojekt in Windisch Eschenbach – ein Forschungsprojekt). In Deutschland ist bisher kein vergleichbares Kraftwerk fertiggestellt. In Mauerstetten befindet sich eine Bohrung in ähnlicher Tiefe und auf dem selben Breitengrad. Bei dieser Bohrung ist kein heißes Wasser gefunden worden.
Auch in Sauerlach befindet sich eine Anlagen mit Bohrungen in ähnliche Tiefe in der Planung.
In Bad Urach wurde ein Projekt durch Nichtfinanzierbarkeit aufgetretener technischer Probleme eingestellt. Bei anderen wie Landau (Bohrungstiefe ca. 3000 Meter) ist es zu Beben gekommen, so dass die Fördermenge des geförderten Wassers reduziert werden musste.
In Basel (Bohrtiefe ebenfalls 5000 Meter) wurde das Projekt wegen Beben und der dadurch aufgetretenen Schäden an Häusern eingestellt, weil bei einer Betriebsfortsetzung weitere Schäden nicht ausgeschlossen werden konnten.
In Staufen wurde Wasser angebohrt und traf auf eine trockene Gipsschicht, die daraufhin aufquoll, so dass die Erde sich unter dem Ort langsam hebt. Dieser Prozess dauert an: etwa 200 Häuser sind beschädigt bzw. einsturzgefährdet.
Für das Geothermieprojekt in Unterhaching haftet die Gemeinde mit ca. 70 Mio. €, die Anlage kostete einschließlich Fernwärmenetz mindestens ca. 200 Mio. € und arbeitet unrentabel.
Ferner werden durch die Bohrungen Erschütterungen (schließlich auch im Dauerbetrieb) ausgelöst, die sich im Boden fortsetzen und ggf. Trinkwasserquellen verschütten oder trinkwasserleitende Schichten (Aquifere) verletzen könnten. Es ist bekannt, dass es beim Ausheben von Baugruben zur Verlagerung von Wasseradern kommen kann, die Schichtenwasser auslösen, so dass dieses zu plötzlichen Wassereinbrüchen von außen in Keller von Häusern führen kann.
Weitere Punkte die auch Seeshaupt betreffen:
Bodenverdichtungen im Naturschutzgebiet bei Errichtung der Anlage selbst, den Zu- und Abfahrten (Strassenbau) sowie Verlegung der Leitungen (letzteres Kosten für die Gemeinden).
Beeinträchtigungen des Moorgebietes, das bei Schädigung sein gespeichertes CO2 an die Umwelt abgibt.Wohin kommt Bohrschutt? Und welche Qualität hat dieser, enthält er ggf. radioaktive Materialien? Können pentanhaltige Wolken oder eventuell Methan freigesetzt (durch Abfackelung …) werden?
Haftung für potentielle Schäden (Erdbeben, Verschüttung Quellen, Gesundheitsschäden wegen Lärm etc.)? Der Investor die BE Geothermal GmbH ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Wer haftet für potentielle Schäden an Häusern, wenn die Gesellschaft insolvent ist?
Mit welchen Mitteln (Wasser) werden die Bohrer bei den Bohrungen (auch der Probebohrung) gekühlt? Woher kommt das Kühlmittel und wohin wird es entsorgt? Mit welcher Temperatur wird das Kühlwasser in die Umwelt entlassen? Sollten die Temperaturen durch das warme Kühlwasser in angrenzenden Bächen steigen ist von einem Sterben der dort lebenden Pflanzen und Tiere auszugehen.Bei einer Ableitung von Eisen II haltigem Wasser in eine Vorflut (Auweiher, Rötelbach) würde die Oxidation zu Eisen III unter Sauerstoffverzehr im Bach stattfinden, wodurch mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Fischsterben eintritt. Sollte das Wasser im Ringkanal entsorgt werden, reicht dessen Kapazität und auch die der Kläranlage evt. nicht. Auch ist die Anlage nicht für alle Stoffe zur Klärung geeignet.Wie wird das Wasser zurückgepresst?
Energieaufwand, Technik?
Kontamination des Wassers durch den Energiegewinnungsprozess mit Luft. Und Kontamination der Luft bzw. weitere Gefahren durch freigesetzte Stoffe wie Gase, die sich im Tiefenwasser befinden. Umweltvergiftung z.B. mit leichtentzündlichem Pentan, das als Medium im Turbinenkreislauf eingesetzt wird.
Da in großen Tiefen die Wasserdurchlässigkeit des Gesteins, die für eine ausreichende Pumpmenge notwendig ist in der Regel nicht gegeben ist, muss dieses gespalten („stimuliert“) werden mittels Druckerzeugung. Durch was wird dieser Druck erzeugt, welche Mittel kommen zum Einsatz? In Landau wurde erst kürzlich mit Salzsäure gearbeitet.
Finanzierung und Überwachung der Anlage nach Ablauf der Laufzeiten bzw. Rückbau.
Wer überwacht die ordnungsgemäße Verfüllung von Bohrungen, so dass nicht mit gefährlichen Stoffen (z.B. Dünnsäureverklappung wie in Wasserburg) verfüllt wird?
Prüfung der Umweltverträglichkeit (UVP) des Bohrschutts bzw. des hochgepumpten Wassers. Verträglichkeit, dass Wasser wieder zurückgepresst wird. Diese gesetzlich vorgeschriebene Primarmaßnahme liegt nicht vor.
Man kann diese Liste beliebig verlängern.
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Kommentare
"Eine Limited kann binnen 24 Stunden gegründet werden und ist sofort haftungsbeschrä nkt handlungsfähig. Es greift der englische Haftungsschutz.
Als Stammkapital reicht 1,50 Euro. ...
Betreiber:
Der Sitz der BE-Geothermal GmbH in Bernried ohne feste Adresse und Postsitz in München Leopoldstrasse, wo sie sich die Telefonnummer mit mind. 30 weiteren Firmen teilt.
Das lässt schon - neben all den Gefahren - eine gewisse Verunsicherung zu! Zumindest beim normal denkenden Bürger.
Wenn man aber bedenkt, dass
1. der Sachverständige nrat Umwelt der Bundesregierung nachweist, dass auch regenerative Energien wirtschaftlich sind, aber nur ohne die Tiefe Geothermie...
2. das Bundesumweltamt und der Sachverständige nrat Schutzgebiete, wie das in diesem Fall betroffene, für solche Projekte ausschliesst...
da ist zu hoffen, dass die Verantwortliche n für diesen Unsinn ausreichend Gelbe Rüben für uns Versuchskaninch en gelagert haben!